Amateurtheater

Theater im Stillstand

Das Klagelied eines Heimatlosen in der Krise. Von Willi Kühl

Scheiß Corona! Entschuldigen Sie liebe Leserinnen und Leser diesen flapsigen Ausruf. Aber das musste jetzt mal raus. Wie ist es möglich, dass ein unsichtbarer Winzling das ganze Weltgefüge in Schieflage bringt. Alles kam zum Stillstand. Lockdown, Abstandsregeln, Maskenpflicht, Hygienemaßnahmen wurden zum täglichen Memento. Ich habe das erst gar nicht geschnallt, befanden wir uns doch mitten in den Proben des Stückes „Fisch zu viert“ für den Duvenstedter Salon. Im Mai sollte Premiere sein. Ein zwingender und richtiger Beschluss des Hamburger Senats veranlasste die Vereinigung das Max-Kramp-Haus zu schließen. Alle anstehenden Termine wurden abgesagt. Die „Fisch“-Proben nahmen ein abruptes Ende und machte das Ensemble zu Theaterwaisen. Ich hielt diesen Zustand nicht lange aus. Heimlich fuhr ich nach Duvenstedt und drückte mich am Bühneneingang herum, in der Hoffnung, dass mich jemand hineinlässt. Meine künstlerische Heimat verwehrte mir den Zutritt. Ich war ausgesperrt. Das macht mir heute noch zu schaffen. Der allesbeherrschende latente Winzling war inzwischen pandemisch geworden und zwang uns noch mehr in die Knie. Das bedeutete: weiterhin keine Veranstaltungen, weiterhin Stillstand, weiterhin Leere.

Das für den Oktober geplante Theaterstück „Dree Göttinnen op’n Barg“ wird nun auf Februar 2021 verlegt. Für das hochmotivierte Ensemble eine bittere Pille, hatten wir doch schon eine Leseprobe absolviert und waren nun mit unseren Texten beschäftigt. Wir schauen jedoch hoffnungsvoll auf den Februar nächsten Jahres.

Ganz dramatisch ist die Absage des Weihnachtsmärchens „Dornröschen“  im Dezember. Die Regisseurin Claudia Iden-Marquard hatte sich hierfür eine moderne Fassung ausgesucht und war schon dabei, das Stück zu besetzen. Alles auf Null. Kein Märchen in diesem Jahr. Enttäuschung und Traurigkeit in der ganzen Theatergruppe. Und das Publikum, ob groß oder klein, wird nun auf diese traditionellen und sehr beliebten Aufführungen verzichten müssen.

Leider hat unser Theater nicht die erforderliche Manpower, um den Bestimmungen und Auflagen gerecht zu werden. Auch das Agieren auf der Bühne unter Abstandsregeln wäre undenkbar. Theater ist Körperlichkeit, ist Nähe. Da fliegen einem die Aerosole nur so um die Ohren. Dank Covit-19 ist das jetzt strengstens untersagt. Um meinem Frust ein Ventil zu geben, sage ich es noch mal: Scheiß Corona!
Unser aller Hoffnung liegt nun auf Februar nächsten Jahres. Wir Theaterleute sehnen uns nach unserem Publikum, deren Applaus uns vorantreibt. Wir brauchen die Probenarbeit, das Suchen und Finden der Bühnenfigur, das Loslassen der eigenen und das Spielen der anderen Person, den Geruch der Bühne, die Wärme der Scheinwerfer, das Stimmengewirr des Publikums vor Beginn einer Vorstellung, das Lampenfieber, das einen schüttelt. Man muss schon ein bisschen gaga sein, um das alles auf sich zu nehmen. Aber glauben Sie mir, all das ist unser Elixier, unsere Droge.
Wir sind wild entschlossen, weiterzumachen. Bleiben Sie uns wohlgesonnen. Kommen Sie gut durch diese Zeit, und kommen Sie im Februar ins Max-Kramp-Haus, zu uns ins Theater! Damit wieder Leben in die Bude kommt!

Leitung

Bettina Hahn

Email:
theater(at)vereinigung-duvenstedt.de

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